[Vorwort: Ich bin mehrfach gebeten worden, den unter dieser Überschrift stehenden Eintrag zu löschen, da der erwähnte Tote ein Bekannter und/oder Freund von uns war. Die Entscheidung, von einer Löschung dennoch abzusehen ist mir sicher nicht leicht gefallen. Jeden, der mir deswegen Pietät- oder Geschmacklosigkeit vorwirft, kann ich verstehen. Dennoch bin ich der Meinung, dass eine Äußerung, auch eine solche am Rande des Erträglichen, nicht davon abhängen darf, in wie weit man selber einen persönlichen Bezug dazu hat. Trotz allen Bedauerns um den Verlust von U.S. (den Namen werde ich natürlich nicht ausschreiben) hätte ich den Eintrag, vermutlich ohne jeden Widerspruch, geschrieben, wäre es ein „Unbekannter“ gewesen. Bei jenen, die jetzt trotzdem weiterlesen entschuldige ich mich sicherheitshalber.]
Allzu öffentliches Wasserlassen verbietet eigentlich schon der Anstand. Auf Verkehrswegen würde man es zudem, auf Neudeutsch, als No-Go bezeichnen. Weswegen es durchaus berechtigt erscheinen mag, hieraus gewisse Konsequenzen in Form der einen oder anderen Bestrafung über sich ergehen lassen zu müssen.
Was nun aber die Deutsche Bahn laut Hessischem Rundfunk betreibt, kommt mir doch etwas übertrieben vor:
Ein 43-jähriger Fußballfan ist in der Nacht zum Samstag im Bahnhof Rüsselsheim-Opelwerke ums Leben gekommen. Er wurde auf den Gleisen am Bahnsteig von einem ICE erfasst. Er war mit Freunden auf dem Rückweg vom Eintracht-Spiel.
Wie die Polizei mitteilte, war der Mann zusammen mit zwei Freunden auf der Heimreise vom Zweitliga-Fußballspiel Eintracht Frankfurt gegen Union Berlin. Die drei Männer waren vom Stadion Richtung Wiesbaden mit einer S-Bahn im Bahnhof angekommen. Der 43-Jährige lief zum Bahnsteigende und sprang von dort in die Gleise. Als er dort urinierte, wurde er von dem Schnellzug erfasst.
Herr Grube, bitte wahren Sie die Verhältnismäßigkeit der Mittel. Oder stellen Sie weniger Mainzer oder Offenbacher ein.




Rene du weißt nicht wie es passiert ist, wir auch nicht. Wir waren heute am Ort und haben auch keine Erklärung dafür. Wie auch immer – er ist Tod!
Aus der Distanz ein Urteil zu fällen ist immer einfach und schön dass dir sowas nicht passiert ist und hoffentlich nicht passieren wird, ich würde darüber aber keinen Blogeintrag schreiben.
Wie erwähnt: Ich respektiere die Kritik.
Und?
Du verbreitest hier Unwahrheiten (er stand sicher nicht auf den Bahngleisen!) und soweit ich dich kenne, bist du sicher nicht Moralisch überlegen, auch wenn du so tust.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass deine und seine Auffassung von „öffentlichen Wasserlassens“ sich kaum unterscheiden und dich nach einem so tragischen Unglück hinzustellen und so zu tun, als ob dein „Anstand“ dich vor so etwas beschützen würden, geht weit über das hinaus was wir – seine Freunde – in so einer Situation ertragen.
Mich hat Dein Blog am Samstag auch getroffen, deswegen kam auch gleich der Hinweis auf die Person. Entschuldigt, Du konntest es ja nicht wissen. Bis gerstern dachte ich eigentlich, dass Du danach reagieren würdest und das hier sofort runternimmst.
Wenn Du U. richtig gekannt hättest, würdest Du wissen, dass gerade er den von Dir bemängelten Anstand gehabt hätte. Es war ein Unfall, eine Dummheit die leider in tragischer Weise und unumkehrbar bestraft wurde. Ich finde diesen Beitrag hier mehr als überflüssig, auch und weil hier wissentlich Leute mitlesen, die ihn kannten und das Geschehene nicht von jetzt auf gleich verarbeiten können, sprich trauern!
und ich verstehe diesen Satz nicht
Das ist eine komische Aussage, sehr komisch. Natürlich hängt eine Äußerung von dem Bezug ab und je persönlicher umso mehr sollte man darüber
Nachdenken, wenn du das nicht tust fände ich das äußert merkwürdig und würde ein seltsames Licht auf dich werfen.
Das du mit Unwahrheiten (für die du nichts kannst, da es ja so in der Zeitung steht) und einer fragwürdigen Schlußfolgerung, den Tod eines guten Freundes als einen Vorgang darstellst der mit deinen Worten „durchaus eine Berechtigung hat“ ist extrem häßlich.
Jetzt muss ich doch noch etwas nachreichen:
Dass ich „den Tod eines Freundes“ als „berechtigt“ dargestellt hätte, stimmt schlicht nicht. Das muss man hereinlesen wollen.
Einen vermeintlich fehlenden Anstand habe ich ebenfalls nur bedingt unterstellt. Und besonders der Begriff „Dummheit“ stammt in diesem Zusammenhang nicht von mir.
Ich verstehe Eure Betroffenheit. Die meinige allerdings auch. Niemand, der mich kennt würde mir ernstlich unterstellen, über den Tod von jemandem wie U.S. zu lachen oder ihn gar als eine Art „gerechter Strafe“ anzusehen.
Noch einmal zur Wiederholung: Als mir klar wurde, um wen konkret es geht, habe ich lange darüber nachgedacht, was ich tun soll. Die Entscheidung hab ich mir nicht leicht gemacht. Und bin mir nach wie vor nicht sicher, ob die letztlich getroffene richtig war.
Dann hast du deinen Text nicht richtig gelesen:
Fakt ist, dass der Unfall eben nicht durch wie du es nennst „allzu öffentliches Wasserlassens“ passiert ist, das Gegenteil ist richtig. Er hat sich weit entfernt, vermutlich um eben dies zu vermeiden und hat sich dadurch in eine Gefahr begeben, die uns nicht erklärbar ist. Und ein weitere Fakt ist, dass er nicht „auf“ den Gleisen war, sondern den Rückweg so gewählt hat, dass er den Zug zu spät wahrnahm. D.h. du hast das, was die Zeitungen aus dem Polizeibericht geschlossen haben, genommen, um deine Schlussfolgerung „einer gewissen Konsequenz“ aufzustellen. Was soll ich da interpretieren?
Als du das hier schriebst, konntest du natürlich nicht Wissen, um wen es sich handelt, aber wir kennen dich und wir Wissen das dein alkoholisierter Zustand bei Fußballspielen oft weit über dem liegt, was man weitläufig als Anstand bezeichnet. Keiner würde auf die Idee kommen, wenn dir dann etwas passieren würde, dies öffentlich als eine „gewisse Konsequenz“ zu bezeichnen.
Und nach wie vor verstehe ich nicht, wie du der Meinung sein kannst das eine Äußerung, die du selbst als am Rande des erträglichen bezeichnest, nicht von einem persönlichen Bezug abhängt?
Hälst du also, wie Teile der Piraten (um mal eines deiner Lieblingsthemen hier auf dem Blog zu erwähnen), den kategorischen Imperativ als die einzig gültige Wahrheit? Nur die Vernunft ist die einzige moralische Legitimation für deine Handlungen?
Du hast also in dem Text eine moralische Interpretation hineingelegt, die ich persönlich für falsch halte und die dadurch, dass wir alle den Betroffenen kennen, eine Bedeutung bekommt, die ich vielleicht „hineinlese“, die aber genau so rüberkommt.
… treffender kann man es nicht formulieren!